Neubau des «Stadttheaters» 1891

Pläne für einen Theaterneubau, die schon länger diskutiert worden waren, wurden nun sehr rasch in die Tat umgesetzt. Die Stadt stellte das Baugrundstück am See zur Verfügung, erklärte sich jedoch ausserstande, sich an den Baukosten zu beteiligen. Wieder konnte die Theater-AG das erforderliche Kapital innerhalb kurzer Zeit durch die Neuausgabe von Aktien zusammenbringen. Man entschied sich, auf ein bereits bestehendes Projekt, das die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer ursprünglich für Krakau entwickelt hatten, zurückzugreifen. Das renommierte Wiener Büro Fellner und Helmer baute um die Jahrhundertwende an die 50 Theater in ganz Europa, von denen einige noch heute in Betrieb sind: unter anderem in Wien (Volkstheater), Bratislava, Prag und Wiesbaden. Der stilistisch an Renaissance und Rokoko angelehnte Neubau erhielt reichen Figurenschmuck und war technisch auf der Höhe seiner Zeit. Furore machte u. a. die elektrische Beleuchtung.

Nach der glanzvollen Einweihung Ende September 1891 liess das Publikumsinteresse schon bald nach, so dass erneut finanzielle Probleme zu bewältigen waren. Erst 1896 gab man das Pachtsystem auf und übernahm die Führung des Betriebes in Eigenregie. Für das Schauspiel erwies sich das neue Haus als wenig geeignet. Als Alfred Reucker 1901 die Direktion übernahm, baute er die bis dahin als Varieté geführte Pfauenbühne zur zweiten Spielstätte des «Stadttheaters» aus. Nachdem private Mäzene wiederum bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt hatten, erhöhte nun auch der Stadtrat die jährliche Subvention, so dass das Haus in der Ära Reucker ein hohes Niveau erreichte und erstmals international Beachtung fand.

Ein Ereignis war die Aufführung des «Parsifal» im April 1913. Es war die erste szenische Aufführung ausserhalb Bayreuths. Auch die Strauss-Tradition in Zürich wurde in dieser Zeit begründet. Bereits 1907 wurde «Salome» gespielt. In der Folge kamen alle Strauss-Opern, die meisten jeweils kurz nach der Uraufführung, hier auf die Bühne. Strauss dirigierte 1917 mit «Ariadne auf Naxos» erstmals ein eigenes Werk in Zürich und stand in den folgenden zwei Jahrzehnten immer wieder am Dirigentenpult.

175 Jahre Opernhaus Zürich

Hier finden Sie die Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum der «Theater-Actiengesellschaft».
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