Geschichte des Opernhauses Zürich
Gründung als «Actien-Theater» 1834
In Zürich, das nie Residenzstadt war und keine barocke Theatertradition im Rahmen höfischer Prachtentfaltung kannte, herrschte bis in die 1830er Jahre hinein ein Misstrauen gegenüber dem Theater, das vor allem von Seiten der Geistlichkeit geschürt wurde. Im Gefolge politischer Veränderungen nach dem Volksaufstand in Uster (neue Verfassung, Säkularisierung des Schulwesens, Gleichstellung der Bevölkerung von Stadt und Kanton) versammelte sich um Johann Bürkli eine Gruppe von Honoratioren, die zunächst in aller Stille daran ging, die Voraussetzungen für das erste stehende Theater in Zürich zu schaffen.
Eine Aktiengesellschaft wurde gegründet, die das Kapital für den Kauf der alten Barfüsserkirche an der Unteren Zäune aufbrachte. Das Gebäude des in der Reformationszeit profanisierten ehemaligen Klosters war von der Gemeinde zuletzt als Kornspeicher genutzt worden. Mit den Mitteln der Aktiengesellschaft wurde es zum Theater umgebaut und jährlich an einen Direktor verpachtet, der den Spielplan, die Verpflichtung eines Ensembles, die Herstellung von Dekorationen etc. auf eigene Rechnung verantwortete. Schauspiel und Oper waren ungefähr zu gleichen Teilen vertreten. Das Orchester stellte die Allgemeine Musikgesellschaft; es bestand zur Hälfte aus professionellen Musikern. Eröffnet wurde das ca. 800 Zuschauer fassende «Actien-Theater» am 10. November 1834 mit Mozarts «Zauberflöte».
Im Laufe der ersten fünfzig Jahre seines Bestehens geriet das Theater häufig in finanzielle Schwierigkeiten. Mit Ausnahme der Stückeschreiberin und Direktorin Charlotte Birch-Pfeiffer, die das Haus von 1837 bis 1843 leitete, hielt sich kein Pächter länger als drei Jahre; bis zum Ende des Jahrhunderts sollten es zwei Dutzend Direktoren werden. Die strukturellen Probleme beschrieb Richard Wagner, der ab 1849 als Flüchtling in Zürich lebte, in seiner Programmschrift «Ein Theater für Zürich» von 1851 treffend. Neben Werken von Mozart, Beethoven, Weber und Bellini dirigierte er in Zürich zwischen 1852 und 1855 auch eigene Werke: «Der fliegende Holländer» und «Tannhäuser» in szenischen Aufführungen sowie im Mai 1853 im Rahmen eines Festkonzerts Ausschnitte aus diesen und zwei weiteren Opern; das Festkonzert kann man als Initialzündung für die später in Bayreuth verwirklichte Festspielidee auffassen. Die ihm angetragene Direktion knüpfte Wagner an Bedingungen, die man ihm nicht erfüllen wollte. So blieben seine Auftritte als Dirigent und Regisseur eine Episode für das «Actien-Theater».
Ab den 1860er Jahren begann man, auch Operetten aufzuführen. Ab 1869 stand mit der Gründung des Tonhalle-Orchesters ein professioneller Klangkörper zur Verfügung. Immer wieder musste das Theater von der Aktiengesellschaft durch Aufbringung frischen Kapitals vor dem Konkurs gerettet werden. In der Silvesternacht 1889 brannte es während einer Vorstellung vollständig nieder; wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden.
Neubau des «Stadttheaters» 1891
Pläne für einen Theaterneubau, die schon länger diskutiert worden waren, wurden nun sehr rasch in die Tat umgesetzt. Die Stadt stellte das Baugrundstück am See zur Verfügung, erklärte sich jedoch ausserstande, sich an den Baukosten zu beteiligen. Wieder konnte die Theater-AG das erforderliche Kapital innerhalb kurzer Zeit durch die Neuausgabe von Aktien zusammenbringen. Man entschied sich, auf ein bereits bestehendes Projekt, das die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer ursprünglich für Krakau entwickelt hatten, zurückzugreifen. Das renommierte Wiener Büro Fellner und Helmer baute um die Jahrhundertwende an die 50 Theater in ganz Europa, von denen einige noch heute in Betrieb sind: unter anderem in Wien (Volkstheater), Bratislava, Prag und Wiesbaden. Der stilistisch an Renaissance und Rokoko angelehnte Neubau erhielt reichen Figurenschmuck und war technisch auf der Höhe seiner Zeit. Furore machte u. a. die elektrische Beleuchtung.
Nach der glanzvollen Einweihung Ende September 1891 liess das Publikumsinteresse schon bald nach, so dass erneut finanzielle Probleme zu bewältigen waren. Erst 1896 gab man das Pachtsystem auf und übernahm die Führung des Betriebes in Eigenregie. Für das Schauspiel erwies sich das neue Haus als wenig geeignet. Als Alfred Reucker 1901 die Direktion übernahm, baute er die bis dahin als Varieté geführte Pfauenbühne zur zweiten Spielstätte des «Stadttheaters» aus. Nachdem private Mäzene wiederum bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt hatten, erhöhte nun auch der Stadtrat die jährliche Subvention, so dass das Haus in der Ära Reucker ein hohes Niveau erreichte und erstmals international Beachtung fand.
Ein Ereignis war die Aufführung des «Parsifal» im April 1913. Es war die erste szenische Aufführung ausserhalb Bayreuths. Auch die Strauss-Tradition in Zürich wurde in dieser Zeit begründet. Bereits 1907 wurde «Salome» gespielt. In der Folge kamen alle Strauss-Opern, die meisten jeweils kurz nach der Uraufführung, hier auf die Bühne. Strauss dirigierte 1917 mit «Ariadne auf Naxos» erstmals ein eigenes Werk in Zürich und stand in den folgenden zwei Jahrzehnten immer wieder am Dirigentenpult.
Theatergeschichtlich bedeutsame Uraufführungen in den 1930er Jahren
1921 wurde das Schauspiel abgetrennt, und das Haus am See wurde zum reinen Musiktheater. Unter Alfred Reuckers Nachfolger Paul Trede wurden die von Reucker erstmals veranstalteten «Internationalen Festspiele» im Sommer weitergeführt (bis 1926). 1923/1924 wurde erstmals das «Jahrbuch» herausgegeben, das bis heute jedes Jahr erscheint. 1932 übernahm der Sänger Karl Schmidt-Bloss die Direktion. In seine Intendanz (bis 1947) fallen einige theatergeschichtlich bedeutsame Uraufführungen. 1933 brachte er die Oper «Der Kreidekreis» von Alexander Zemlinsky, die in Deutschland von den Nazis verboten worden war, heraus. 1937 folgte die Uraufführung von Alban Bergs nachgelassener Oper «Lulu», 1938 die Uraufführung von Paul Hindemiths Oper «Mathis der Maler». Daneben fand eine Vielzahl von Operetten-Uraufführungen statt (u. a. von Ralph Benatzky, Paul Burkhard, Eduard Künneke und Oscar Straus). Arthur Honeggers «Jeanne d’Arc au bûcher» wurde ebenso gespielt wie Werke von Frank Martin, Othmar Schoeck, Heinrich Sutermeister und Armin Schibler. Intendant Karl Heinz Krahl (1956-1960 im Amt) sorgte schliesslich 1957 mit der ersten szenischen Aufführung von Arnold Schönbergs unvollendeter Oper «Moses und Aron» nochmals für grosse internationale Aufmerksamkeit. Als ein weiteres Ereignis sei die Uraufführung von Bohuslav Martinus Oper «Griechische Passion» 1961 erwähnt.
Anschluss an die internationale Szene in den 1960er Jahren
Der Regisseur Herbert Graf nahm mit seinem Amtsantritt als Intendant 1960 eine Reihe von bedeutsamen Neuerungen in Angriff. Alle Werke wurden nunmehr in der Originalsprache gegeben. Dadurch konnten viele international renommierte Sänger ans Haus geholt werden. Ausserdem wurde das Internationale Opernstudio zur Pflege des Nachwuchses ins Leben gerufen. Weitere Forderungen von Graf waren ein eigenes Orchester für die Oper und ein Neubau anstelle des marode gewordenen alten «Stadttheaters». Was ist daraus geworden? Die Trennung von Opernorchester und Tonhalle-Orchester erfolgte erst 1985. Anstelle des in den 1960er Jahren geplanten Neubaus wurde das Haus dann 1982 umfassend renoviert und umgebaut. Die Impulse, die von Herbert Graf ausgingen, wirkten also teilweise jahrzehntelang nach; seine Direktionszeit endete jedoch bereits im zweiten Jahr nach einem hausinternen Konflikt, der schon bald in der Presse ausgetragen wurde und sich zum Streit um Grafs Amtsführung weitete.
Auf Graf folgte Hermann Juch (1964-1975), der für eine Phase der Konsolidierung sorgte. Er holte Ferdinand Leitner als musikalischen Oberleiter, der bis 1984 am Opernhaus Zürich wirkte. Das «Stadttheater» wurde umbenannt in «Opernhaus Zürich». Seit den 1950er Jahren hatten sich Aufführungen ausgewählter Musicals im Spielplan etabliert. Die Operette hingegen trat immer mehr zugunsten des Balletts zurück, das als eigenständige Sparte an Bedeutung gewann: Mit Nicholas Beriozoff wurde erstmals ein Ballettdirektor ernannt und die Compagnie zahlenmässig aufgestockt. Adäquate Aufführungen der grossen Ballett-Klassiker wurden möglich, Tänzer wie Rudolf Nurejew gastierten (auch als Choreograf). Mit der Inszenierung von Hans Werner Henzes «Re Cervo» präsentierte sich ein junger Bühnenbildner erstmals als Regisseur: Jean-Pierre Ponnelle.
Wiedereröffnung des umgebauten Hauses 1984
In Zürich wurde nach dem Krieg jahrzehntelang über einen Neubau für das Opernhaus nachgedacht. Ein Wettbewerb fand statt. Der Preisträger, William Dunkel, schlug einen kühn in den See hinein ragenden Betonbau vor. Doch Anfang der 1970er Jahre wurde der alte Fellner & Helmer-Bau unter Denkmalschutz gestellt. Der ab 1975 designierte Intendant Claus Helmut Drese betrieb daraufhin energisch die Renovierung des marode gewordenen Theaters von 1891 und die Planung eines seeseitig gelegenen Erweiterungsbaus. Man entschied sich, das Bühnenhaus des alten «Stadttheaters» vollständig zu entkernen, wodurch Seiten- und Hinterbühnenflächen entstanden. Die Hauptfassade mit dem Eingangsbereich, dem seit den 1930er Jahren ein Foyer-Anbau vorgelagert war, wurde in Rückbesinnung auf die ursprüngliche Gestalt umgebaut. Der Orchestergraben wurde erweitert und variabel bespielbar gemacht. Alle Betriebsräume wurden im Anbau untergebracht, der zu zwei Fünfteln über der Erde, zu drei Fünfteln unter der Erde gelegen ist. Die Dekorations-Werkstätten wurden in die nahe gelegene Seerosenstrasse auslagert.
Die vom Stadtrat bereits genehmigten Mittel für den Umbau mussten im Rahmen einer Volksabstimmung vom Wahlvolk bestätigt werden. In den als «Opernhaus-Krawalle» bekannt gewordenen Demonstrationen von Jugendlichen, deren Belange von der städtischen Kulturpolitik über Jahrzehnte vernachlässigt worden waren, entlud sich aufgestauter Unmut gegen das «Establishment» und richteten sich gegen den geplanten Opern-Umbau. Der Souverän sprach sich im Referendum vom 6. Juni 1980 schliesslich mit 53% zu 47% für den Umbau des Opernhauses aus. Die Jahre 1982 bis 1984 standen im Zeichen der Renovierung und Erweiterung des Theaters. Das umgebaute Haus wurde im Dezember 1984, genau 150 Jahre nach der Entstehung des «Actien-Theaters», mit einer Neuinszenierung von Wagners «Meistersingern» und der Uraufführung von Rudolf Kelterborns Tschechow-Oper «Der Kirschgarten» eröffnet.
Nikolaus Harnoncourt dirigiert Monteverdi und Mozart (1970er und 1980er Jahre)
Claus Helmut Drese, von 1975 bis 1986 Direktor des Opernhauses, brachte den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt mit dem Regisseur und Bühnenbildner Jean-Pierre Ponnelle für einen Zyklus der drei Monteverdi-Opern zusammen. Die heute legendären Aufführungen dieser damals kaum gespielten Werke aus der Frühzeit des Genres gastierten auch auf zahlreichen internationalen Bühnen, darunter der Mailänder Scala. Die Realisierung eines Mozart-Zyklus wurde ebenfalls dem Team Harnoncourt/Ponnelle übertragen. Weitere prägende Regisseure in der Direktionszeit von Claus Helmut Drese waren Götz Friedrich und Nikolaus Lehnhoff. Das Ensemble versammelte viele international renommierte Künstler. Der Spielplan wurde nach dem Semi-Stagione-Prinzip disponiert.
Christoph Groszer, von 1986 bis 1991 Nachfolger von Drese (der als Direktor an die Wiener Staatsoper ging), brachte den Mozart-Zyklus zu Ende. Auch eine Neuinszenierung des «Ring des Nibelungen» (musikalische Leitung: Ralf Weikert, Inszenierung: Claus Helmut Drese) fällt in seine Direktionszeit. Der Spielplan reichte vom Barock (die Händelopern «Xerxes» und «Deidamia») bis hin zu John Cages «Europeras 1 & 2». Eine Reihe weiterer zeitgenössischer Werke (u. a. von Hans Werner Henze, Udo Zimmermann und Bruno Maderna) wurde aufgeführt. Unter den Regisseuren seien Ruth Berghaus, Michael Hampe und Yuri Ljubimov genannt.
Das Opernhaus Zürich heute
Seit 1991/1992 ist Alexander Pereira, zuvor Generalsekretär des Wiener Konzerthauses, Intendant des Zürcher Opernhauses. Seine erste Saison eröffnete er mit Wagners «Lohengrin», mit dem genau 100 Jahre zuvor das «Stadttheater» eingeweiht worden war, in einer aufsehenerregenden Inszenierung von Robert Wilson. Aus der Vielzahl von Regisseuren, die neben Wilson (der seither u. a. einen neuen «Ring»-Zyklus in Zürich erarbeitet hat) prägend für das Haus wurden, seien Sven-Eric Bechtolf, Jürgen Flimm, Claus Guth, Jens-Daniel Herzog, Martin Kusej und David Pountney genannt.
Im Zentrum der Spielplangestaltung steht die Pflege des grossen Opernrepertoires von Mozart und Rossini bis Verdi und Puccini. Die grosse Wagner- und Strauss-Tradition wird kontinuierlich fortgeführt. Darüber hinaus findet jedoch auch die musikalische Moderne Beachtung. 1996 erlebte ein vom Opernhaus vergebenes Auftragswerk, Herbert Willis «Schlafes Bruder», seine Uraufführung. 1998 wurde Heinz Holligers Oper «Schneewittchen» nach Robert Walser uraufgeführt, 2003 Beat Furrers von Marguerite Duras inspirierte «invocation», 2005 die Oper «der herr nordwind» von HK Gruber und die Oper «Harley» von Edward Rushton, 2008 Rushtons «Im Schatten des Maulbeerbaums» – um die wichtigsten Uraufführungen der vergangenen Jahre zu nennen. Im Oktober 2010 schloss sich die Uraufführung der Oper «Gesualdo» von Marc-André Dalbavie an. Eine weitere Uraufführung ist für die Spielzeit 2011/2012 geplant.
Immer wieder gelangen Randwerke des Repertoires auf den Spielplan, wie etwa Joseph Haydns «L'anima del filosofo», Johann Christian Bachs «Lucio Silla», Antonio Salieris «Axur», Franz Schuberts «Des Teufels Lustschloss», «Alfonso und Estrella» und «Fierrabras», Ferdinando Paërs «Leonora», Jacques Fromental Halévys «Clari», Robert Schumanns «Genoveva», Umberto Giordanos «La cena delle beffe», Ermanno Wolf-Ferraris «Sly», Paul Dukas’ «Ariane et Barbe-Bleue», Emanuel Chabriers «L’Étoile», Engelbert Humperdincks «Königskinder» oder die Operette «Simplicius» von Johann Strauss, die über 100 Jahren lang als nicht mehr rekonstruierbar gegolten hatte. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Barockmusik, für die am Opernhaus Zürich das hauseigene Orchestra «La Scintilla» zur Verfügung steht.
Musikalische Leitung von 1969 bis heute
Von 1969 bis 1983 stand Ferdinand Leitner dem Haus als musikalischer Oberleiter vor. Ihm folgte Ralf Weikert, der diese Position bis 1992 inne hatte. Unter Weikert wurden die erfolgreichen Philharmonischen Konzerte des Orchesters der Oper Zürich ins Leben gerufen. Von 1995/1996 bis Ende der Spielzeit 2007/2008 war Franz Welser-Möst in leitender Funktion (zunächst Chefdirigent, später Generalmusikdirektor) am Opernhaus Zürich tätig. Kennzeichen seiner Erkundungen eines breiten Repertoires von Mozart bis hin zu Alban Berg waren stets genaues Arbeiten und ein sensibles Gespür auch für die leisen Töne. Höhepunkte der über die Jahre entstandenen künstlerischen Symbiose mit dem Orchester waren u. a. der gesamte Zyklus von Wagners «Ring» (2001/2002) sowie die Wahl des Orchesters durch die renommierte Zeitschrift «Opernwelt» zum «Orchester des Jahres 2001». Der österreichische Dirigent, der gleichzeitig Chefdirigent des Cleveland Orchestra ist, hat mit Beginn der Spielzeit 2010/2011 das Amt des Chefdirigenten der Wiener Staatsoper übernommen.
Seit Beginn der Spielzeit 2009/2010 ist der italienische Dirigent Daniele Gatti neuer Chefdirigent des Opernhauses Zürich. Er ist zugleich Chefdirigent des Orchestre National de France und regelmässiger Gast an den renommierten Opernbühnen der Welt, u. a. Mailänder Scala, Royal Opera House Covent Garden, Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, Salzburger Festspiele und Bayreuther Richard Wagner-Festspiele. Als erste Opernproduktion hat Daniele Gatti im Januar 2010 die Neueinstudierung von Richard Strauss’ «Elektra» übernommen.
Zwei weitere prägende Dirigenten für das Opernhaus Zürich sind Nello Santi, der hier seit über fünfzig Jahren kontinuierlich arbeitet und vor allem im italienischen Repertoire immer wieder Massstäbe setzt, und Nikolaus Harnoncourt, der dem Haus seit den 1970er Jahren verbunden ist und mit seinen Mozart-Interpretationen, aber auch mit Werken von Johann Strauss, Jacques Offenbach, Carl Maria von Weber, Robert Schumann und Giuseppe Verdi Aufsehen erregt hat. Darüber hinaus leiten Dirigenten wie Paolo Carignani, William Christie, Christoph von Dohnányi, Vladimir Fedoseyev, Adam Fischer, John Eliot Gardiner, Philippe Jordan, Marc Minkowski oder Carlo Rizzi regelmässig neue Opern- und Ballettproduktionen.
Sängerinnen und Sänger
Von Anfang an erkannte Alexander Pereira die kontinuierliche Entwicklung eines Ensembles als vordringliche Aufgabe. Der Förderung vielversprechender junger Interpreten mass er gleichermassen Gewicht bei wie der Zusammenarbeit mit grossen Künstlerpersönlichkeiten. So sind internationale Opernstars regelmässig Gast auf der Zürcher Opernbühne und ergänzen das Ensemble für einen Zeitraum von jeweils mehreren Wochen.
Das Zürcher Publikum war immer schon verwöhnt mit klingenden Sängernamen wie Lisa della Casa, Kirsten Flagstad, Reri Grist, Gwyneth Jones, Edita Gruberova, Tito Gobbi, Alfredo Kraus, James McCracken oder Wolfgang Windgassen und darf sich auch heute glücklich schätzen, Künstlerinnen und Künstler wie Agnes Baltsa, Cecilia Bartoli, Renée Fleming, Barbara Frittoli, Vesselina Kasarova, Emily Magee, Elena Mosuc, Anna Netrebko, Isabel Rey, Deborah Voigt, Carlos Álvarez, Marcelo Álvarez, Piotr Beczala, Renato Bruson, Carlo Colombara, José Cura, José van Dam, Plácido Domingo, Thomas Hampson, Jonas Kaufmann, Salvatore Licitra, Leo Nucci, Juan Pons, Ruggero Raimondi, Matti Salminen, Erwin Schrott, Peter Seiffert, Neil Shicoff, Michael Volle und Rolando Villazon auf der Zürcher Bühne erleben zu können.
Immer wieder haben grosse Sängerkarrieren ihren Ausgang vom Opernhaus Zürich genommen, das mit seinem Internationalen Opernstudio (IOS) einen wichtigen Beitrag zur Fortbildung junger Talente leistet. Viele hochbegabte Künstlerinnen und Künstler, die heute international renommiert sind, haben nach ihrer Zeit am IOS den Weg ins Ensemble gefunden: z.B. Malin Hartelius, Javier Camarena, Ruben Drole und Oliver Widmer. Das IOS ist jedes Jahr mit einer eigenen Produktion und einer Vielzahl von Konzerten im Spielplan vertreten.
Das Zürcher Ballett seit den 1970er Jahren
Von 1978 bis 1985 war die Balanchine-Spezialistin Patricia Neary Ballettdirektorin. In ihrer Amtszeit traten Künstler wie Rudolf Nurejev und Gaye Fulton auf. 1985/1986 wurde der 2004 verstorbene Uwe Scholz zum Ballettdirektor und Chefchoreografen der Compagnie ernannt. 1992 berief Intendant Alexander Pereira den Wiener Bernd Roger Bienert zum neuen Chef des Zürcher Balletts, das jede Saison zwei bis drei Premieren und zwei Wiederaufnahmen zeigt. Mit Beginn der Spielzeit 1996/1997 wurde der Basler Heinz Spoerli, einer der international renommiertesten Choreografen der Zeit, neuer Ballettdirektor.
Unter Heinz Spoerli pflegt die personell aufgestockte Ballett-Compagnie einen neoklassischen Tanzstil, der Ballette wie «Goldberg-Variationen», «Ein Sommernachtstraum» oder «Peer Gynt» zu von Publikum wie Kritik gleichermassen gelobten Erfolgen werden liess. Mit Werken wie «Giselle», «Der Nussknacker», «Schwanensee», «Coppelia», «Romeo und Julia», «Cinderella», «Don Quixote» oder «Raymonda» widmete sich Heinz Spoerli auch den grossen klassischen Handlungsballetten. Darüber hinaus brachte er mit «Brahms Ein Ballett», «…eine lichte, helle, schöne Ferne» (Mozart) , «…und mied den Wind», «In den Winden im Nichts», «Und wäre heute morgen und gestern jetzt» (Bach) oder «...allem nah, allem fern» (Mahler) abendfüllende eigene Choreografien, die jeweils dem Schaffen eines grossen Komponisten gewidmet sind, zur Uraufführung.
Regelmässig erarbeitet die Compagnie auch Werke anderer namhafter Choreografen wie Mats Ek, William Forsythe, Jirí Kylian, Hans van Manen oder Twyla Tharp. Das Zürcher Ballett hat ein Ensemble von etwa 40 Tänzerinnen und Tänzern. Hinzu kommt das von Heinz Spoerli ins Leben gerufene Junior Ballett, das sich der Nachwuchsförderung widmet. Regelmässig macht das Zürcher Ballett auf hochkarätigen, internationalen Gastspielen Furore.
Fortführung der Tradition bürgerschaftlichen Engagements bis heute
«Aus Bürgergunst geweiht der Kunst» – so steht es an der Fassade des Opernhauses zu lesen. Das Engagement von Privatpersonen für das Opernhaus Zürich, zu denen später auch Unternehmen und Stiftungen traten, hat eine lange Tradition. Auf der anderen Seite ist es keine Selbstverständlichkeit für ein relativ kleines Gemeinwesen wie Zürich, die Finanzierung einer Institution mit so hohem künstlerischem Niveau und internationaler Ausstrahlung durch öffentliche Zuschüsse sicherzustellen. Deshalb war es Alexander Pereira von Beginn seiner Intendanz an ein besonderes Anliegen, systematisch ein Netz von Sponsoren aufzubauen. Die grosszügige Unterstützung privater Geldgeber trägt inzwischen mit bis zu 12 Mio. CHF pro Jahr zum Jahresbudget (von derzeit ca. 131 Mio. CHF) bei. Insgesamt erwirtschaftet das Opernhaus Zürich mit bis zu 45% Eigenanteil am Gesamtetat (um eine Zahl aus dem Jahr 2008 zu nennen) einen aussergewöhnlich hohen Eigendeckungsgrad. Seit 1995 ist nicht mehr die Stadt Zürich, sondern der Kanton Zürich für das Opernhaus zuständig und fungiert als Hauptsubventionsgeber.
Bedeutende Investitionen in die Infrastruktur konnten in den letzten Jahren auch durch Neuemission von Aktien mitfinanziert werden. So konnten die Probebühne Escher-Wyss in Betrieb genommen, ein neuer Orchesterproberaum angemietet und adaptiert, das Werkstättengebäude erweitert und im angrenzenden Neubau an der Kreuzstrasse grosszügige Räumlichkeiten für das IOS, für die Personalabteilung und die Dramaturgie geschaffen werden. Das Aktienkapital beläuft sich derzeit auf ca. 6.5 Mio. CHF (siehe auch den Link zur Aktiengesellschaft!).
In jüngerer Zeit engagiert sich Alexander Pereira mit Nachdruck für eine aktive und vielfältige Kinder- und Jugendarbeit und für die wachsende Präsenz der Zürcher Opernproduktionen auf dem internationalen DVD-Markt. Annähernd 50 Titel sind derzeit lieferbar. – Ein internationales Publikum von über 1 Mio. Zuschauern erreichte «La Traviata am Hauptbahnhof», am 30. September 2008 von Schweizer Fernsehen und Arte live aus dem Zürcher Hauptbahnhof übertragen.
Weitere Angebote des Hauses, Ausblick
Neben den jährlich fünf bis sechs Philharmonischen Konzerten unter international bekannten Dirigenten runden Soireen, Matineen, Liederabende, Produktionen auf der Studiobühne, Konzert-Zyklen sowie Einführungsveranstaltungen und Foyergespräche mit prominenten Künstlern und der alljährlich stattfindende Opernball das umfangreiche Opern- und Ballettangebot des Opernhauses ab. Hinzu kommen die vielfältigen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche, um der Kunstform Oper auch in Zukunft ein Publikum zu sichern.
Alexander Pereira übernimmt ab Herbst 2011 parallel zur Intendanz der Zürcher Oper die Leitung der Salzburger Festspiele. Seine Amtszeit in Zürich endet im Sommer 2012. Mit Beginn der Spielzeit 2012/13 wird Andreas Homoki, derzeit Intendant der Komischen Oper Berlin, seine Nachfolge als Intendant des Opernhauses Zürich antreten.
Heinz Spoerli, der 2009 mit dem Deutschen Tanzpreis und dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet wurde, hat zu Beginn des Jahres 2010 bekannt gegeben, dass er seine Tätigkeit als Ballettdirektor des Opernhauses Zürich im Sommer 2012 aus Altersgründen beenden wird. Als Nachfolger ist der derzeit am Stuttgarter Staatsballett tätige Choreograf Christian Spuck designiert.
Die Position des Chefdirigenten, die derzeit Daniele Gatti innehat, wird mit Beginn der Spielzeit 2012/2013 Fabio Luisi , derzeit Erster Gastdirigent der Metropolitan Opera und Chefdirigent der Wiener Symphoniker, übernehmen.